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Mit dem Compass setzt Jeep voll auf das Wachstumssegment der kompakten
SUVs. Noch Ende dieses Jahres wird das Fahrzeug auch bei uns verfügbar
sein. Die Dieselmodelle folgen im Frühjahr 2007.
Jeep Compass: Hinein in die Nische
Von Thomas Flehmer
Jeep füllt die Lücke in seinem Segment. Nach den großen Versionen wie
Grand Cherokee, Commander oder Patriot setzt der amerikanische
Automobilhersteller aufgrund der gestiegenen Kraftstoffpreise auf ein
Umdenken der Amerikaner im Fahrverhalten. Der kompakte Compass soll den
Trend zu einem kleinen und vor allem billigeren SUV Rechnung tragen.
"Der Compass ist ein neuer Typ Jeep für eine nicht traditionelle
Jeep-Klientel", sagte Marketing- und Verkaufsdirektor Thomas Hausch bei
der Vorstellung in Stockholm.
Plattform vom Dodge
Dabei greift Jeep auf die Synergien der Konzernschwester Dodge
zurück. Der neue Compass basiert auf der Plattform des vor kurzem
eingeführten Caliber, der im hart umkämpften C-Segment antritt. "Die
Plattform, Sicherheitstechnologie, Grundkonstruktionen der Sitze und
Grundzüge der Armaturen stammen vom Dodge. Alles, was man sieht, ist
nicht vom Caliber", umschreibt Pressesprecher Markus Hauf den Auftritt
des SUV. Ganz Recht hat er damit aber nicht. Doch dazu später mehr.
Während die Seitenlinie des 4,41 Meter langen Compass an einen "Jeep
Grand Caliber" erinnert, bleibt die Frontpartie vollkommen in Jeep-Hand.
Besonders der Kühlergrill mit den typischen sieben Lüftungsschlitzen
unterstreicht die Zugehörigkeit zur Jeep-Familie. Dagegen tritt die
Seitenlinie nicht ganz so bullig auf wie beim Caliber. Zwischen den
vorderen und hinteren Radkästen wird die Breite verringert, so dass mehr
Dynamik zum Vorschein treten soll. Bei ungünstiger Sonneneinstrahlung
aber sehen die Türen dann aus, als ob sie eingedellt wären.
Nicht einfache Beladung
Die Distanz zum kleinen Plattformgeber tritt zum einen in der
Bodenfreiheit von 20 Zentimetern und in der um 51 Millimeter höheren
Sitzposition im Gegensatz zum Caliber auf. Dafür ist aber auch die
Ladekante sehr hoch und erschwert die Beladung nicht nur von leichten
Gegenständen. Und beladen kann man den kleinen Jeep: 334 Liter stehen
als Basis zur Verfügung, bei umgeklappten Rücksitzen sind es 1277 Liter.
Auch der Beifahrersitz kann für sperrige Sachen gekippt werden und macht
so Platz für Skier oder Dachlatten. Der Platzkomfort kann angesichts
eines Radstandes von 2,640 Metern und einer Beinfreiheit im Fond von
einem Meter überzeugen.
Im Innenraum erinnert der Aufbau stark an den Caliber, auch wenn die
einzelnen Armaturen sich von der Dodge-Schwester unterscheiden. Die
wuchtige und eckige Mittelkonsole erfüllt den vorderen Teil. Dass die
Armaturen in billiges Plastik gefasst sind, überrascht angesichts des
Caliber-Auftritts nicht. Allerdings wirken auch die Sitze, die aber
genügend Seitenhalt geben, als Relikt der achtziger Jahre des
vergangenen Jahrhunderts.
Für junge Familien
Produktmanager Kevin Tourneur begründet die wirklich billig anmutende
Ausstattung mit den Anforderungen an die Zielgruppe: "Der Compass ist
für junge Familien gedacht, die vielleicht gerade ein Haus gebaut haben
und nach einer preisgünstigen mobilen Lösung suchen. Und gerade bei
kleinen Kindern, die die Sitze eher verschmutzen, können diese wieder
leicht bereinigt werden."
Und gerade dieser Ansatz macht den Compass für den Markt und die
Zielgruppen in Europa interessant. Während die Konkurrenten von Toyota
mit dem RAV4 oder Hyundai mit dem Santa Fe ins Premium-Segment drängen,
füllt der Compass bei einem Einstiegspreis von knapp unter 24.000 Euro
eine Nische aus. Wenn allerdings noch weitere Features gewünscht sind,
nähert sich der Familien-SUV den Konkurrenten preislich stark an.
Dazu gehören dann auch das Boston Accoustic Sound System mit zwei
zusätzlichen aufklappbaren Lautsprechern in der Heckklappe für den
vollen Sound einer Barbecue-Party am Beach sowie eine ebenfalls im Heck
angebrachte wieder aufladbare Taschenlampe. Diese beiden sichtbaren
Gimmicks stammen aus der Produktion des Calibers.
Zwei Motoren
Ganz ohne Aufpreis kann der Kunde zwischen zwei Motoren wählen, die
ebenfalls im Caliber ihr Tagwerk verrichten. Der 2,4 Liter Weltmotor mit
125 kW/170 PS und einem Drehmoment von 220 Nm bei 4500 U/min brachte auf
den Testfahrten rund um Stockholm Fahrspaß. Allerdings störten die
langen Schaltwege, zudem fehlt bei dieser Motorisierung der sechste
Gang, was zu höheren Fahrgeräuschen führt. Auf Wunsch kann der
Ottomotor, der sich mit Normalbenzin begnügt, auch mit einem stufenlosen
Automatik-Getriebe bestückt werden. Aber gerade die Automatik musste
bereits beim Caliber hart arbeiten. Der Compass ist mit einem
Leergewicht zwischen 1460 bis 1585 Kilogramm noch etwas anspruchsvoller.
Im Gelände konnte aber selbst die Automatik überzeugen und brachte den
Allradler sicher ans Ziel.
Passender erscheint trotzdem der Compass mit einem 2,0 Liter-Diesel und
Sechsganggetriebe. Hier arbeiten zwar nur 103 kW/140 PS bei einem
Drehmoment von 310 Nm, die zwischen 1750 und 2.500 U/min anliegen, doch
der Diesel läuft einfach runder, auch wenn man im Innenraum das Nageln
des von VW konzipierten Motors mitbekommt. Jeep verspricht zudem einen
Verbrauch von weniger als sieben Litern.
Diesel ab April 2007
Allerdings muss man Geduld aufbringen. Der Diesel steht erst ab April
2007 zur Verfügung. Hier beginnen die Preise bei 25.790. Dafür sind
viele Sicherheitsfeatures, u.a. ESP, serienmäßig von Beginn an Bord. Wer
aber eine einigermaßen nette Ausstattung dabei haben möchte, kommt fix
auf 28.000 Euro.
Der Compass kommt von außen kompakt, von innen billig daher. Angesichts
der Positionierung in Richtung junge Familien wird der kleine Jeep vor
allem im Heimatmarkt Amerika den Hauptanteil der Abnehmer finden. In
Deutschland aber wird es angesichts der Konkurrenz zunächst beim
Nischendasein bleiben. Die Ziele sind niedrig angesetzt, Vorgaben gibt
es nicht. Hauf bleibt vorsichtig: "Wir verkaufen so viele Modelle, wie
wir können."
Quelle:
n24.de |
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AUTO
Von Tom Grünweg
Kleine Freiheit Nummer 5
Von Tom Grünweg
Obwohl der Absatz gestiegen ist, hat Jeep in
Europa Marktanteile verloren. Denn statt kerniger Offroader
favorisieren die Kunden derzeit modische SUVs. Daraus ziehen die
Amerikaner Konsequenzen und fächern ihr Programm auf. Als fünftes
Modell kommt bald der Compass.
Beim
Blick auf die Statistik der letzten Jahre erkennt Thomas Hausch
ein Problem: Obwohl der Absatz von Jeep in Europa konstant
gestiegen ist, haben die Amerikaner stetig an Marktanteil
verloren. Die Erklärung dafür liefert dem "Exportchef" der
Chrysler Group das Feld der Wettbewerber. Während es die drei
Jeep-Modelle Wrangler, Cherokee und Grand Cherokee 1996 nur mit
17 Konkurrenten zu tun hatten, waren im Jahr 2003 schon 40
Fahrzeuge dieses Typus auf dem Markt. Nur von Jeep gab es nach
wie vor genau drei Autos.
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Für das Jahr 2008 erwartet Hausch knapp 60 verschiedene
Geländewagen und hat auf dieses Problem endlich die richtige
Antwort: "Um diesen Wettbewerbsdruck zu parieren, kann man seine
Autos immer besser machen, die Händler antreiben oder die Preise
senken. Aber das alles hilft nicht gegen die wachsende
Segmentierung", sagt der Exil-Schwabe und kündigt stattdessen
eine Ausweitung der Produktpalette an. "Nur mit neuen Modellen,
die schärfer auf einzelne Zielgruppen zugeschnitten sind, kann
man Boden gut machen." Deshalb finden sich in seiner Grafik für
das Jahr 2008 unter den fast 60 Geländewagen statt drei gleich
sieben Jeep-Modelle.
Mit der Modelloffensive kaschieren die Amerikaner gleich noch
einen Fehler, den Hausch freimütig zugibt: "Bislang haben wir
uns vielleicht ein wenig zu stark auf die traditionelle
Kundschaft konzentriert." Kunden, die statt eines hart
gesottenen Allradlers einen modischen Großraumwagen für den
Alltag gesucht haben, musste er zum Beispiel zu Toyota oder
Honda ziehen lassen.
Jetzt allerdings will Jeep die jungen Familien und die
erfolgreichen Erstverdiener von RAV-4 oder CR-V zurückgewinnen
und bringt deshalb den Compass an den Start. Der erste Jeep, der
mit seinem betont rundlichen Design auf den ersten Blick gar
nicht aussieht wie ein Geländewagen, geht im Sommer in den USA
in den Verkauf und kommt zum Jahreswechsel als neues
Einstiegsmodell für einen geschätzten Grundpreis von etwa 20.000
Euro auch nach Deutschland.
Technisch ist er ein Ableger des Dodge Caliber, von dem er
neben der Bodengruppe und einigen Interieurdetails auch die
Motoren übernimmt. Während es den Dodge hierzulande allerdings
nur mit Frontantrieb gibt, verkauft Jeep den Compass - so viel
Treue zu den alten Idealen muss sein - ausschließlich als
Allradler.
Außerdem spendieren die Amerikaner dem Wagen ein
Sperrdifferential und ESP, das für schlechte Wege programmiert
wurde und auch ganz abgeschaltet werden kann. Damit wird der
Compass tatsächlich zum Offroader, dessen Aktionsradius größer
ist, als es die Naturschutzgesetze in Deutschland erlauben.
Feuchte Wiesen, matschige Waldwege oder körnige Sandstrände?
Wenn die Bereifung stimmt und der Fahrer seine Sache gut macht,
sind sie nach unseren ersten Eindrücken mit der US-Version kein
Hindernis.
Für die nötige Kraft sorgt zunächst der 2,4 Liter große
"Weltmotor" von Chrysler, der 173 PS und 224 Nm auf die Straße
bringt. Ihn gibt es mit einem Fünfgangschaltgetriebe oder einer
stufenlosen Automatik. Bei einem betont aktiven Fahrstil kann
man sich das getrost sparen, weil das Getriebe den Elan gewaltig
bremst und mit lästigen Drehzahlstößen nervt. Zum lockeren
Cruisen bei amerikanisch moderatem Tempo aber passt die
Automatik perfekt, und auch das etwas weichere Fahrwerk stört
dann nicht. Die Europaversion allerdings wird härter abgestimmt,
versprechen die Ingenieure. Außerdem gibt es für Europa -
ebenfalls wie beim Caliber - auch einen Zweiliter-Diesel mit 140
PS, den die Amerikaner bei VW einkaufen.
Dass der Compass kein typischer Jeep geworden ist, freut zum
Beispiel Designer Clyde Nye: "Natürlich gibt es einige Merkmale,
die jeder Jeep haben muss", sagt Nye und verweist auf den
typischen Grill mit den sieben Lüftungsöffnungen oder die runden
Scheinwerfer. "Doch gibt uns die neue Ausrichtung auch die
Freiheit, manche Sachen anders zu machen als früher", sagt der
Designer und streicht über die beiden Wellen, die sich als
Verlängerung der Scheinwerfern über die gesamte Motorhaube
ziehen.
"Bei einem Wrangler oder dem Commander wäre so etwas nicht
drin gewesen, weil dort alles vom rechten Winkel diktiert ist",
erläutert Nye. An weiteren Beispielen fehlt es nicht: Die
Frontscheibe steht viel flacher als bei Jeep sonst üblich, die
Kotflügel sind etwas ausgestellt, die Fenster wirken mit
eingefärbten B-Säulen wie aus einem Guss, der Griff für die
hintere Tür rückt erstmals nach oben, und sogar das Heck ist
etwas runder geworden.
Für diese stilistischen Experimente braucht es allerdings
nicht viel Mut. Denn selbst wenn der Compass einige Kunden
enttäuschen sollte, sind sie für die Marke nicht verloren.
Schließlich gibt es das gleiche Auto ein halbes Jahr später auch
als Patriot mit einem Design, das wieder dem alten Bild der
kantigen Kästen folgt.
Quelle:
Spiegelonline-Auto.de
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